Es gibt gerade zwei Lager, wenn es um KI in der Videoproduktion geht. Die einen behaupten, KI ersetzt bald die ganze Produktion. Die anderen tun so, als wäre alles nur ein Hype, der wieder verschwindet. Beide liegen daneben. In meinem Alltag ist KI in der Videoproduktion weder Bedrohung noch Spielzeug, sondern ein verdammt schneller Assistent, der bei der Ausarbeitung helfen kann. Entscheidend bleiben die gestalterischen Entscheidungen.
Wo KI mir echte Zeit spart
Der ehrlichste Teil zuerst: Es gibt Aufgaben, die KI heute schon besser oder zumindest schneller erledigt als ich von Hand.
- Pre-Production und Moodboards. Unterschiedliche Looks lassen sich erkunden und vergleichen. Die Auswahl muss anschließend zur Idee und zur Marke passen.
- Varianten auf Knopfdruck. Ein Hook, zehn Schnittfassungen, fünf Thumbnail-Ideen. Welche Varianten sich sinnvoll umsetzen lassen, entscheidet der konkrete Produktionsumfang.
- Rough Cuts und Transkripte. Automatische Schnittvorschläge und saubere Transkripte sparen mir die stumpfe Sucharbeit im Material.
- Upscaling und Cleanup. Altes Material auf 4K hochziehen, Rauschen entfernen, Frames interpolieren. Reine Fleißarbeit, perfekt für die Maschine.
Wo KI immer noch versagt
Jetzt der unbequeme Teil für die Hype-Fraktion. KI hat kein Gespür für Timing. Sie weiß nicht, warum ein Schnitt eine Achtelsekunde zu früh die ganze Spannung killt. Sie versteht nicht, warum ein leicht schiefer, ehrlicher Take stärker wirkt als die technisch perfekte Variante.
KI ist mein Kameramann, nicht mein Regisseur. Sie liefert Optionen, aber die Entscheidung, welches Gefühl beim Zuschauer ankommt, treffe ich.
Gerade im Musik- und Entertainment-Bereich lebt Content von genau diesen Mikro-Entscheidungen. Eine Marke hat eine Stimme, ein Artist hat eine Attitude. Beides lässt sich nicht prompten, das muss man fühlen und dann konsequent durchziehen.
Was eine gestalterische Entscheidung ausmacht
Ein Look muss zum Song, zur Marke und zur konkreten Szene passen. Dafür beurteile ich Bildsprache, Anschluss und Rhythmus gemeinsam. Mehr Varianten helfen nur, wenn klar ist, nach welchen Kriterien ich sie auswähle.
Wie das in echten Projekten aussieht, zeigen Cases wie der Exmortus „Storm of Strings“ AI-Video oder der LOST SOCIETY AI TikTok Dance: KI liefert das Tempo, die kreative Linie bleibt menschlich. Wie der fertige Film wirkt, hängt von Auswahl, Schnitt und Nachbearbeitung ab.
Fazit
Wer KI als magischen Regisseur verkauft, hat noch nie unter Zeitdruck einen Cut gerettet, der emotional einfach nicht funktioniert hat. Und wer sie komplett ignoriert, verschenkt Tempo und Budget. Die spannende Arbeit der nächsten Jahre liegt genau dazwischen: die Maschine für das Handwerk nutzen und den Kopf für das freihalten, was Menschen berührt.
Den Ablauf mit konkreten Arbeitsschritten findest du im praktischen KI-Video-Workflow. Für Kameraarbeit und Formatentwicklung zeigt die Underdocks-Case-Study einen weiteren Teil meiner Produktion.
Eine Idee im Kopf?